Ein Tag in meinen Scrubs – mit Dr. Abigail Moore

Haben Sie sich auch schon gefragt, wie der Alltag anderer Gesundheitsprofis aussieht – gerade in Bereichen, die sich von Ihrem eigenen unterscheiden? Wie starten sie in den Tag und wie bekommen sie Job und Privatleben unter einen Hut? Weil wir diese persönlichen Einblicke lieben, führen wir unsere Blog-Reihe weiter. In diesem Beitrag begleiten wir Dr. Abigail Moore und schauen ihr über die Schulter.

„A Day In My Scrubs“

von Dr. Abigail Moore, Kinderzahnärztin

6:30 Uhr
Ziemlich widerwillig stehe ich für eine schnelle Dusche auf – ich bin absolut kein Morgenmensch! Ein guter Tag fängt damit an, dass mich eine Tasse Tee erwartet, zubereitet von meinem frühaufstehenden Mann.

Ich packe mir eine Essensbox für den Vormittag, damit ich bis zur Mittagspause durchhalte – früh kann ich nämlich noch nichts essen. Meistens sind es Beeren, Granola und Joghurt, dazu viel frisches Obst und eine große Flasche Wasser.

Ein schneller Kuss für die Kinder und den Hund – und dann geht es aus dem Haus.

7:30 Uhr

Im OP angekommen: Vorbereitung ist alles

Frisch umgezogen richte ich mich im OP ein. Mein erster Weg führt mich durch die Unterlagen: Ich prüfe Röntgenbilder und gehe die Behandlungspläne für unsere heutigen Patienten im Detail durch. Danach halte ich kurz Rücksprache mit den Pflegekräften, um sicherzugehen, dass wir über alle Besonderheiten oder Sorgen der Patienten informiert sind.

Heute stehen fünf Behandlungen unter Vollnarkose an. Zwei der Kinder sind autistisch und erhalten bereits vorab Medikamente, um ihnen das Einschlafen zu erleichtern – die ungewohnte Umgebung im OP kann sonst schnell zu einer Reizüberflutung führen. Ein weiteres Kind hat eine Herzerkrankung; hier bespreche ich mit der Anästhesistin die notwendige Antibiotikaprophylaxe, da wir impaktierte Zähne chirurgisch entfernen müssen und kein Infektionsrisiko eingehen wollen.

Besonders am Herzen liegt uns heute unsere jüngste Patientin: Sie ist gerade einmal zwei Jahre alt und hat sich bei einem Sturz die Frontzähne schwer verletzt. Ihre Eltern sind verständlicherweise völlig aufgelöst, da wir die Zähne ziehen müssen. Bevor es losgeht, gehe ich noch einmal auf die Station, spreche mit allen Eltern und Kindern, beantworte letzte Fragen – und verspreche natürlich eine große Portion Eis zum Frühstück!

Abigails Team in rosa Scrubs

12:30 Uhr
Die OP-Liste ist geschafft, ich gehe zurück auf die Station, spreche mit den Eltern, erkläre die durchgeführten Behandlungen und die postoperativen Anweisungen. Wir reden auch über die weitere Betreuung und darüber, wie sich zukünftige Eingriffe möglichst vermeiden lassen.

13:30 Uhr
Endlich Mittagspause mit meinem zahnärztlichen Team in der Krankenhauskantine, bevor es nachmittags in der pädiatrischen Ambulanz weitergeht. Es tut gut, die Neuigkeiten aus den Vormittagssprechstunden zu hören – und vielleicht auch ein bisschen zu tratschen.

14:00–17:00 Uhr
Am Nachmittag steht eine Neupatienten-Sprechstunde an. Die Kinder werden von ihren Hauszahnärzten überwiesen, wenn eine kinderzahnärztliche Einschätzung nötig ist. Zwei der heutigen Patienten hatten starke Schmerzen, deshalb haben wir ihre Überweisungen vorgezogen. Beide hatten wiederholt Antibiotika wegen Infektionen an kariösen Milchzähnen – eines der Kinder musste sogar in die Notaufnahme, so schlimm war die Infektion. Umso besser, dass wir sie jetzt sehen und die Behandlung so schnell wie möglich planen können.

Unsere weiteste Anreise hat heute eine Familie aus Donegal hinter sich – sie sind extra eingeflogen! Parallel dazu sind auch unsere Dentalhygienikerinnen voll im Einsatz. Ich schaue immer wieder kurz bei ihnen vorbei, um dort zu unterstützen, wo eine ärztliche Kontrolle nötig ist. Doch das Highlight sind die bekannten Gesichter: Wenn wir Familien wiedersehen, die uns schon seit Jahren begleiten, fühlt es sich fast an, als würde man alte Freunde treffen.

17:00–19:00 Uhr
Jede Menge Tee und noch mehr Papierkram bestimmen diesen Teil des Tages. Gleichzeitig habe ich immer ein offenes Ohr für das Team, um gemeinsam komplexe oder knifflige Fälle zu besprechen. Ein ganz wichtiger Punkt auf meiner Liste sind die Anrufe bei den Familien unserer OP-Kinder. Ich möchte sichergehen, dass es allen gut geht – schließlich ist so ein Eingriff ein großer Tag für Kind und Eltern. Mein persönliches Highlight sind dann die Fotos von den Spielsachen, die es auf dem Heimweg als kleines Trostpflaster gab!

Abigail in der Sonne

19:00–21:00 Uhr
Endlich Feierabend! Auf dem Heimweg sammle ich meine Tochter direkt vom Turnen ein. Wenn das Wetter es zulässt, machen wir oft noch einen kurzen Abstecher ans Meer, um ins Wasser zu springen. Je nach Temperatur schauen die Kinder lieber nur zu – aber auf meinen treuesten Schwimmbegleiter ist Verlass: Unser Hund stürzt sich immer mit mir in die Fluten.

21:00 Uhr
Die Kinder sind im Bett und das Haus ist wieder in Ordnung gebracht. Jetzt widme ich mich kurz dem nächsten Arbeitstag: Ich studiere die Patientenakte für morgen und checke noch einmal mein Diensthandy.

22:00 Uhr
Dann geht es ab ins Bett mit dem Vorsatz, noch ein bisschen zu lesen. Meistens bleibt es aber beim Vorsatz, und ich schlafe direkt mit dem offenen Buch in der Hand ein …

Ein bisschen mehr über Abigail

Abigail stammt aus dem County Fermanagh und hat ihr Zahnmedizinstudium am Trinity College Dublin abgeschlossen. Nach einigen Jahren als allgemeine Zahnärztin kehrte sie in die Vollzeitausbildung am Trinity College zurück und promovierte in Kinderzahnheilkunde, wo sie mit einem First-Class-Honours-Abschluss abschloss.

Sie hat auf zahlreichen nationalen und internationalen Kongressen präsentiert und im Laufe der Jahre viele Auszeichnungen für ihre Arbeit erhalten, darunter den IDA Maloney Award 2006 und den IDA Clinical Feature of the Year Award 2014/2015.

Abigail hat bereits viele Teile der Welt bereist und liebt es, andere Kulturen kennenzulernen. Im Rahmen ihrer Reisen hat sie ehrenamtlich zahnärztlich in Samoa, Kambodscha und Honduras gearbeitet.

Abigail mit Auszeichnungen

2009 gründete Abigail die Praxis Happyteeth und hat vor Kurzem neue Räumlichkeiten in Suite 38 der Hermitage Medical Clinic eröffnet – eine hochmoderne, kindgerechte Praxis, die jungen Patienten die bestmögliche Umgebung bietet.

Abseits der Arbeit ist Abby Mutter von drei lebhaften Kindern und weiß daher aus eigener Erfahrung, wie schwierig es sein kann, kleine Zähne regelmäßig zu putzen. Sie ist eine langsame, aber ausdauernde Läuferin, liebt es, im Meer zu schwimmen, und geht gern mit ihrem energiegeladenen Hund Seuss spazieren.